Streifenarchiv


Rosenmontag, 13. Februar 2006

Narrentreiben

Den Vertrag für meine Lehrtätigkeit an der FH für das kommende Semester erhalte ich seit Jahren immer in der Mitte der laufenden Vorlesungszeit. Nun ist das Semester längst zu Ende, und ich habe immer noch nichts in den Fingern.

Ein Besuch im Sekretariat zwecks Nachforschung ergab etwas, das man landläufig als lautstarke Äußerung des Amtschimmels bezeichnen würde: Nein, man sei noch nicht dazu gekommen, die Verträge zu verschicken, weil alle Daten neu eingegeben werden müssten. Der Grund: jemand in der Verwaltung sei auf die Idee gekommen, das entsprechende Formular zu modifizieren. Die gute Seele des Sekretariats zeigte mir das Formular, auf dem ich auf den ersten Blick keinen Unterschied zum bisherigen erkennen konnte. Gute Seele klärte mich auf: »Auf der Rückseite haben die eine Linie verlängert, da, wo der Name des Lehrbeauftragten eingetragen wird.« Hä? Die Linie war bisher so lang, dass auch Namen wie »Leutheusser-Schnarrenberger« oder Müller-Lüdenscheid« bequem hineingepasst hätten.

Ja, ist es denn zu fassen? Habt ihr nichts Besseres zu tun? »Der Eifer der Toren ist schlimmer denn der Zorn der Götter« sagte schon Euripides (480-407 v. Chr.). Und in Anlehnung an Murphy's Gesetz »wenn etwas schiefgehen kann, wird es auch schiefgehen« könnte man sagen: »nichts ist so unsinnig, dass es nicht noch unsinniger kommen könnte.« Gute Seele ereiferte sich ebenso und sprach ein wahres Wort: »Ich sag' immer, wenn in der Behörde 1000 Luftballons aufgeblasen werden müssen, stellen die jemanden ein und hier fehlt das Lehrpersonal!« Finde ich auch. Wie schräg ist das denn, wie hier mit Geld und Zeit geaast wird? An der FH fehlen Lehrkräfte an allen Ecken und Enden. Und so kleine Lichter wie ich, also die externen Lehrbeauftragten werden mit einem Stundenlohn von 21 Euro für ihre Arbeit bedacht. Zeit, die man mit Prüfungen oder Vorbereitungen verbringt, werden gar nicht berücksichtigt. Wohlgemerkt, diese Lehrkräfte haben alle ein abgeschlossenes Studium hinter sich und leisten qualifizierte Arbeit (s. » Professional«).

Die Gedanken wandern weiter zur bevorstehenden Studiengebühr. Wie werden diese Einnahmen eingesetzt werden? Für die Studenten? Für eine bessere Ausbildung und mehr Lehrende? Oder wird derartiger Unsinn auch damit finanziert?

Für diese schwache Leistung oder besser »Schnapsidee« gibt Zebra einen blauen Streifen. Prost!

Streifen: blau