Streifenarchiv


Freitag, 30. September 2005

Steuern steuern


Das Finanzamt kann ein Quell der Freude und aufregender Geschichten sein: Meine UST-Voranmeldung für das 1. Quartal war fällig. Mein Amt hatte mir aber, wie sonst immer, keine Formulare zugesendet. Was hatte ich da gehört? Die Voranmeldung muss ab 2005 online übermittelt werden? Elster (hi, hi, der Name ist Programm ...) muss her. Auf der mittlerweile erstaunlich informativen Homepage meines Finanzamtes wird mir lapidar mitgeteilt, dass es Elster nur für Windows gibt – komm' ins Abenteuerland ...

Toll! Was machen ich und mein Mac nun? Nach einiger Recherche stoße ich auf Winston. Diese Software wurde für Mac und Linux entwickelt (macht übrigens einen besseren Job als Elster und gibts daher mittlerweile auch für Windows). Die Benutzeroberfläche ist einfach, die Übertragung klappt problemlos und alles ist innerhalb von zwei Minuten erledigt.Drei Wochen später. Das Finanzamt fragt nett an, wo denn meine UST-Voranmeldung bleibt. Ich rufe meine Sachbearbeiterin an. Da wäre nix angekommen. Muss aber. Nein, wäre nicht. Ok, dann schicke ich den Report aus Winston 'rüber. Ja, das würde reichen. Ich bitte um die E-Mailadresse. Moooment ... Funkstille am Telefon für ungefähr drei Minuten. Dann reicht mich meine Sachbearbeiterin weiter an einen Kollegen, der mir die E-Mailadresse diktiert. Diese hat ungefähr die Länge eines halbstarken Lindwurms und ich entschließe mich, doch lieber ein Fax zu schicken.

Die Sache fängt an, mich zu interessieren. Ich frage nach, an wen ich mich denn mal wenden könnte, um zu klären, warum das nicht geklappt hat. Keine Ahnung, da müsste ich mich schon an die Behörde wenden. Wie jetzt, das tue ich doch gerade?! »Wir sind aber nicht dafür zuständig«. Nochmal: dann möchte ich mit jemanden verbunden werden, der mir etwas dazu sagen kann — technisch gesehen, meine ich. Wüßte er auch nicht.

Mein Sportsgeist meldet sich. Nach langem Hin & Her werde ich mit dem Leiter der Abteilung verbunden. Der versucht mich in ein »juristisch fundiertes« Gespräch zu verwickeln, in dem er irgendetwas von der Frist der UST-Voranmeldung abspult. Ich bremse ihn rechtzeitig und bitte darum, mir etwas über das technische Problem zu erzählen. »Dafür bin ich nicht zuständig.« Ja nee, is' schon klar. Dann soll er mich mal mit einem passenden Menschen verbinden. Ja, da müsste ich mich schon an das zentrale Rechenzentrum in Düsseldorf wenden. Hä? Dafür bin ich nicht zuständig, meinte ich.

Dann kam Bewegung ins Spiel: Ich wurde tatsächlich mit soetwas wie einem Administrator verbunden. Also die ganze Story noch mal von vorne. »Ja, dann wird die Software wohl nicht funktionieren ... « Warum sprechen Admins Unverschämtheiten eigentlich immer in so einem schläfrigen Tonfall aus? Ich frage, ob wir nicht mal eine Testübermittlung machen könnten? Nein, das ginge auf keinen Fall, dann wäre ja die Datenbank durcheinander! Ich finde ja immer wieder, dass Admins etwas ermüdendes an sich haben. Das Image von Beamten ist bekannt. Die Kombinaition von beidem ist eine Sensation! Am Ende bekam ich wieder meine Formulare in Papierform zugeschickt, niemand ist schlauer geworden und alles ist wie vorher. Wie langweilig! Deshalb bekommt das Finanzamt auch nur einen grauen Streifen.

Streifen: grau